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Ist Sascha F. ein Lügner?

Mein Name ist Ramin Torabi, Ich schildere hier meine persönliche Erfahrungen. Im Verlauf habe ich mehrfach den Eindruck gewonnen, dass Aussagen und Handlungen nicht übereingestimmt haben. Das hat bei mir zu einem erheblichen Vertrauensverlust geführt und mich emotional und mehrfach stark belastet. Viele Jahre war es mit nicht möglich das erlebte zu verarbeiten die beschriebenen Schildungen sind daher Erinnerungen. Andere Beteiligte könnten die Situation anders wahrgenommen haben. Trotz jahrelanger Versuche die Erlebnisse anderer Beteiligten einzuholen habe ich keinerlei externe Schilderung besprechen können

Wer mir Hilfe geben kann, Wünsche, Fragen oder Anmerkungen hat, meldet sich bitte per E-Mail bei mir: page@frincke.net

David und Diana

Ich war vom 08. bis 14. September 2002 auf der Sommerschule Mikroelektronik 2002 in Dresden. Meine geliebte Freundin Diana war daher ein paar Tage alleine zu Hause. Da wir eine extrem enge Beziehung hatten, war das sehr ungewöhnlich. Ich verstehe, dass sie sich einsam gefühlt hat. Mir hat sie auch gefehlt.
Diana fragte mich kurz vor dem Wochenende nach der Telefonnummer eines meiner Freunde. Etwas verwundert gab ich ihr die Telefonnummer von Andre. Ich denke, dass sie die Nummer von David haben wollte, aber ich wollte er ihr Nummer nicht geben, Er hat sich auf meiner Geburtstagsfeier unangemessen intensiv mit ihr unterhalten und auffällig dafür gesorgt, dass sie nicht wie üblich an meiner Seite blieb.
Als Diana Andre angerufen hatte, hat sie von ihm die Telefonnummer von David erfragt und erhalten.
Danach hat Diana David angerufen. Somit hatte er ihre Telefonnummer. David hat Diana eingeladen sie blieb über Nacht in dieser ersten Nacht hat er sich nach eigenen Angaben in sie verliebt. Ich glaube ihm diese Aussage, da damit eine auffällige Verhaltensänderung gegenüber Diana verbunden war.
Ich kam am Samstag den 14. September von meiner Sommerschule zurück und wurde nicht von ihr empfangen. Da dies extrem unerwartet war, habe ich sie angerufen. Sie ging nicht ans Telefon. Ich habe noch etwa 10 mal versucht sie zu erreichen. Ich wusste nicht, dass sie bei David übernachtet hatte, aber ich wusste, dass irgendetwas nicht stimmte.
Später habe ich erfahren, dass Sie viermal in zwei Wochen bei Ihm übernachtet hat. Zudem waren wir auch gemeinsam bei David. David hat in beiden Wochen je eine Party veranstaltet.
Sie war also an etwa 10 von 14 Tagen bei ihm. An den verbleibenden 6 Tagen hat er wie ein besessener bei Ihr und sogar bei mir angerufen. Ziel der Anrufe war, dass er sich wieder mit ihr treffen wollte.
Diana hat sich nach eigenen Angaben nach diesen zwei Wochen in David verliebt. Damit ist David zwei Wochen schneller gewesen. Beide haben einander die Liebe bekundet. Diana war aber meine Freundin als er Ihr erzählte wie verliebt er in sie ist, daher haben beide auch bereits die Trennung von mir besprochen.
Aus meiner Sicht ist es ziemlich unmöglich dies zu tun ohne “einem Freund die Freundin auszuspannen”.

Als sich Diana dann am 28. September 2002 von mir getrennt hat, da war es bereits offensichtlich und unaufhaltbar, dass sie eine Beziehung mit David anfangen würde.
Das meiste was ich heute weis, habe ich aus Telefonaten mit den beiden in Erfahrung bringen können. Beiden haben offen und ehrlich am Telefon und in Person mit mir gesprochen.
Ich habe anfänglich nicht geglaubt, dass David mir Diana ausgespannt hätte, aber je mehr ich in den Gesprächen erfuhr was David vor der Trennung alles getan hatte, desto mehr wurde ich davon überzeugt. Es hat aber einige Gespräche gebraucht bis ich die Meinung entwickelt hatte, dass er mir meine Freundin ausgespannt hat.
David, Diana und ich waren überzeugt und uns einig, dass das Ende der Beziehung zu diesem Zeitpunkt nicht eingetreten wäre, wenn David sich wie andere Freunde, die nicht verliebt sind, verhalten hätte.
David hat mehrfach behauptet, dass sein auffälliges Verhalten kein “Ausspannen” war. Er zeigte sich auch empört, wie ich glauben könnte, dass er ein so schlechter Freund wäre, dass er mir “bei der erstbesten Gelegenheit ein Messer in den Rücken rammen würde”.
Ich habe auch mit anderen Menschen gesprochen, das Reden hilft sehr beim Verarbeiten des Erlebten, es hat aber auch weitere Informationen zu Tage getragen. Zwei der Paare, mit denen ich gesprochen hatte, waren überzeugt, dass es auch dort so aussah, dass David mit seinen unangebracht intimen Fragen versuchte, die Beziehung zu beenden. Eines der Paare hat den Kontakt zu David angebrochen, nachdem sie gehört hatten was er mit meiner Freundin Diana getan hatte. Dadurch wurde es für beide offensichtlich, dass David auch zuvor damals bereits versuchte, die vergebene Freundin auszuspannen. Leider kamen all diese Informationen für mich viel zu spät. Mir ist aber aufgefallen, wie wichtig es sein kann, miteinander auch über unangenehme Themen unmissverständlich zu sprechen.
Um zu verstehen ob er mir meine Freundin ausgespannt hat, habe ich ihm daher eine wichtige Frage gestellt: “Wenn Du in den zwei Wochen vor der Trennung boshaft versucht hättest mir mit allen Mitteln meine Freundin Diana auszuspannen, was hättest Du dann anders gemacht? Stell’ Dir vor, der Teufel persönlich würde Dich und Deine Familie holen und den Rest der Ewigkeit Höllenqualen aussetzen, wenn das Ausspannen nicht gelingt”. Seine Antwort überrascht wenig: “Na, es hat ja schon irgendwie geklappt.” Wahrscheinlich hätte ich alles genauso gemacht. Für mich ist es offensichtlich, dass er mir Diana ausgespannt hat, wenn sein “Ausspannen” von einem boshaften echten Verhalten nicht unterscheidbar ist. Spannend an der Frage ist, dass er ja viel besser wusste, was er alles getan hatte, seine Antwort bezieht sich also auf seine vollständige Perspektive und nicht auf meine ggf. unvollständige Perspektive. Ich habe ihm die Chance gegeben, die Antwort zu überdenken und mir später eine detailliertere Antwort zu geben. Ich habe nie eine andere Antwort erhalten.
Spannend an der fiktiven Frage ist auch, dass hierbei meine Definition von “Ausspannen” irrelevant ist. In Davids Antwort spiegelt sich ausschließlich seine eigene Interpretation von “Jemandem die Freundin ausspannen” wieder. Damit kann ich eine alternative Definition des Ausspannens formulieren: “Ausspannen ist jegliche Handlung, die der Ausspannende selbst für Ausspannen hält oder sich selbst für ihn nicht vom Ausspannen unterscheiden lässt.”

Es war nun offensichtlich, dass Davids Ausspann-Anstrengungen der Grund für die Trennung waren. Ich habe ihm daher rechtzeitig eine letzte Chance gegeben, alles wieder gut zu machen und die Freundschaft fortzuführen.
Ziemlich genau zwei Wochen nachdem sich Diana von mir getrennt hatte, wurden die beiden ein Paar.
Ich habe zu ihm gesagt: ”Ich kenne Diana, wenn Du sie in Ruhe lässt, dann ist Sie ganz schnell wieder mit mir zusammen.“ Wenn Du aber Sex mit Diana hast, können wir keine Freunde mehr sein und auch nie wieder Freunde werden. Wenn Du aber keine Beziehung mit ihr hast und sie nur wie jeden anderen Freund behandelst, dann werde ich Dir verzeihen, dass Du die Beziehung zerstört hast. Auch kann ich dann glauben, dass Dein Verhalten ein Versehen gewesen ist.”
Damit habe ich den vollständigen Prozess kommuniziert und die Entscheidung “Ausspannen mit Sex” oder nur “unbeabsichtigtes Fehlverhalten” lag nun vollstaendig bei David. Ziemlich genau drei Wochen nach der Trennung hat sich David fuer “Ausspannen” entschieden.

Später hat David Diana erzählt, dass er es nicht OK finden würde, wenn jemand sich seiner Freundin gegenüber so verhalten würde, wie er es tat.

Was bedeutet Ausspannen fuer mich?

Über diese Antwort hatte ich vor David nicht so wirklich nachgedacht. Es hat sich aber damals schnell herauskristallisiert.
Das problematische Ausspannen einer Freundin besteht aus zwei Aspekten.

  1. Taten des Ausspannenden, die zum vorzeitigen Ende der Beziehung führen. Diese müssen vor der Trennung stattgefunden haben. Die Taten müssen vorsätzlich, bewusst und beeinflussbar gewesen sein.
  2. Taten des Auspannenden, die das zeitnahe Heilen der ursprünglichen Beziehung unmöglich machen. Hier ist vereinfacht das Vorbereiten der eigenen Beziehung und vorallendingen Sex mit der Ausgespannten gemeint.

Es müssen beide Aspekte erfüllt werden. Nur durch Taten die Beziehung zerstören ohne weitergehendes Interesse an einer Beziehung oder Sex ist also kein Ausspannen. Genauso ist das nachträgliche Interesse an einer Bezeihung und/oder Sex ohne vorherige Interaktion die das Ende der Beziehung verursacht auch kein Ausspannen.
Das Ausspannen ist besonders schwerwiegend, wenn 1.) nur durch den Missbrauch eines engen Vertrauensverhältnisses mit dem Verlassenen möglich ist. Wenn die neue Beziehung aus 2.) bereits vor dem Ende der Beziehung durch Liebesbekundungen vor dem Ende der Beziehung stattfindet.
Allgemeines Verhalten wie es z.B. auch Menschen anderer sexueller Orientierung zeigen oder ein äußeres Ereignis wie ein Unfall sind kein Ausspannen.
Taten, aus 1.) sind dann kein vorsätzliches Ausspannen wenn die Absicht 2.) zu tun nie bestand und auch zukünftig ausbleibt.

Dianas Täuschung

Dianas Täuschung

Diana selbst hat mir mit ihrem Verhalten viele Schmerzen bereitet.
Aber sie kam nicht wie David brutal in mein Leben und meine Beziehung, sondern sie war schon da. Diana war zum wichtigsten Freund in meinem Leben geworden und ich war es nicht mehr gewohnt auch nur einen Tag oder eine Nacht ohne sie zu verbringen.
Da es mir sehr wichtig war nicht auch noch die enge Freundschaft zu verlieren hatte ich auch bereits David gebeten nicht auch noch die Freundschaft zwischen Diana und mir zu zerstören.
David hat mir versprochen die Freundschaft nicht kaputtzumachen. Aus meiner Perspektive hat er sich, in dem Rahmen indem das überhaupt noch möglich war, an das Versprechen gehalten.

Was war dann passiert?:
Nachdem Diana wir einen schönen freundschaftlichen Abend verbracht hatten, behauptete Sie, dass sie nach Hause möchte. Ich war überrascht, da sie quasi bereits bei David eingezogen war. Ich war dennoch sehr froh, dass sie nach Hause fährt und nicht wieder zu David. Die Katzen in Dianas Wohnung haben mir sehr leid getan, sie brauchten damals viel mehr Aufmerksamkeit. Selbstverständlich habe ich sie zur Bushaltestelle gebracht. Wir haben geredet, bis der Bus kam, dann haben wir uns verabschiedet und Sie ist mit dem Bus gefahren.

Zwei Tage später hat sie mir unterschwellig am Telefon gesagt, dass sie den Abend bei David verbracht hat. Ich habe mich sehr gewundert wie das sein könnte und genau nachgefragt. Sie erläuterte, dass sie mich belogen hatte, dass sie nur eine Bushaltestelle gefahren ist und dass sie dann zu David ging. Um zu David zu kommen musste sie irgendwie wieder an meiner Wohnung vorbei. Damit mir dies nicht auffällt hat sie einen größeren Umweg in Kauf genommen.
Sie hat mich belogen und getäuscht, nur warum? Damit ich mich besser fühle? Ich war froh darüber, dass zu hören sie nicht zu David ging. Aber ich wollte nicht getäuscht werden und besser fühle ich mich so definitiv nicht. Dieser Charakterzug war mir vollkommen fremd. Insbesondere war ich mir sicher, dass ich mich nicht so verhalten würde.
Sie hätte mir doch einfach sagen können, dass sie zu David fährt. Zu dem Zeitpunkt hatte David die Freundschaft bereits beendet und Diana hat fast jeden Tag bei Ihm verbracht.
Mir war unklar ob und wie Dianas kleine Täuschung mit einer Freundschaft vereinbar ist.
Ich habe ihr ganz klar gesagt, dass ich dieses Verhalten nicht in Ordnung finde. Auch habe ich ihr gesagt, dass ich durch dieses Verhalten keine Grundlage zu einer Freundschaft mit ihr mehr sehe. Aus meiner Sicht war ihr Verhalten falsch und zerstörte das Vertrauen.
Ich habe Diana aber ganz klar gesagt, dass ich glaube und hoffe, dass wir in Zukunft wieder Freunde werden könnten. Diese neue Freundschaft müsste aber von ihr ausgehen und sie musste das zerstörte Vertrauen zurückgewinnen. Ich hatte auf absehbare Zeit nicht vor sie wie einen Freund zu behandeln.
So kam es dann auch:
Ich habe mich aber wie ein netter Mensch verhalten. Diana war meine Kommilitonen, ich habe sie in der Uni gesehen und respektvoll und nett behandelt. Ich habe mir ihr telefoniert, als sie mich angerufen hat und ich habe Sie reingebeten, als sie vor der Tür stand. Ich habe ihr auch mein Buch “Kerne und Elementarteilchen” ausgeliehen und habe es bis heute nicht zurückerhalten.
Aber ich habe sie halt behandelt, wie ich es für jeden anderen Kommilitonen auch getan hätte. Nach ihrer Täuschung, habe ich Diana einfach nicht mehr wie einen Freund behandeln können, es ist ihr nie gelungen, das zerstörte Vertrauen wiederherzustellen.
Ich habe Diana nicht mehr angerufen, ich habe mich nicht mehr mit ihr verabredet und ich habe sie nicht mehr eingeladen.
Ich weis nicht, ob sie das verstanden hat. Ich hatte ihr ja direkt genug gesagt, dass wir keine Freunde mehr sind.
Nach der Trennung von David hat sie wieder meine Nähe gesucht. Ich vermute, dass sie einfach wieder mehr Zeit hatte. Ich wollte keine Beziehung mehr mit ihr. Ich glaube auch nicht, dass sie wieder eine Beziehung haben wollte.
Insgesamt ist diese einseitige Freundschaft aber mittelfristig eingeschlafen.
Ich war nicht mehr in der Lage Diana wie zuvor zu betrachten, Diana meine gottgleiche Traumfrau war plötzlich zur Fantasiegestalt geworden, aber die irdische Diana die mich belogen hatte, war sicher nicht meine Wunschfrau.

Wie ging es mir dabei?

Wie ging es mir dabei?

Die Beziehung mit Diana war sehr intensiv, wir haben praktisch alles gemeinsam getan. Es war sehr ungewöhnlich, wenn wir beide mal mehr als fünf Minuten mehr als einen Meter voneinander getrennt waren. Es gab uns nur als Paar, die meisten unserer Kommilitonen waren ein Semester unter mir und hatten uns nie einzeln gesehen oder erlebt. Wir haben zusammen geschlafen, uns zusammen im Bad fertig gemacht, sind gemeinsam irgendwo hingefahren, haben in der Uni alle Kurse gemeinsam besucht, sind gemeinsam zu Freunden oder Eltern gefahren und so weiter.
Die einzige Ausnahme, die es gab, waren Samstage. Samstags hat Diana bei Woolworth an der Kasse gearbeitet. Ich habe sie dann meist dort abgeholt und dann gab es uns wieder nur als Paar.
Entsprechend groß war für uns beide natürlich der Einschnitt, als ich bei der Sommerschule akzeptiert wurde und Diana nicht. Noch krasser war es aber für mich danach, alleine wieder in meinem eigenen Zimmer zu sein und genau zu vorsagen zu können wie es mit Diana und David weitergehen würde.
Ich hätte nicht vorhersagen können, wie schlimm diese Trennung werden würde. Die Beziehung war doch gar nicht so toll, um diese Tragödie in Kauf zu nehmen.
Es war so surreal, ich fühlte mich, als wäre ich innerlich gestorben.
Ich war nicht mehr in der Lage, Nahrung zu mir zu nehmen. Ich habe mich gezwungen zu trinken. Ich habe 24 kg in acht Wochen abgenommen. Das war keine schöne Diät, ich war sehr unzufrieden auch mit meinem Körper.
Ich habe nur noch schwarze Klamotten getragen und gekauft. Zehn Jahre lang habe ich nur schwarz getragen. Noch immer ist schwarz die dominante Farbe in meinem Kleiderschrank.
Ich war wütend und musste irgendwie meine Aggression loswerden. Da ich meine Arme nach dem Gewichtsverlust auch viel zu dünn und schwach fand, ging ich zum Unisport ins Fitnessstudio. Ich denke, dass dies ein sehr guter Weg war, um die Aggressionen abzubauen.
Mein Zustand hat natürlich auch die Gespräche mit David und Diana geprägt.

Ich wollte David nicht mehr sehen und ich wollte nicht, dass er mich sieht. Ich wollte nicht glücklich oder unglücklich erscheinen, ich wollte keine Körpersprache, keine Mimik und keine Gestik mit ihm kommunizieren. Ich wollte ihn auch nicht sehen, auch nicht bei Partys oder Hochzeiten. Entsprechend schwierig wurde es leider für den ganzen Freundeskreis. Anfänglich wurde David ausgeladen. Später wurde erst David und später ich eingeladen. Wenn mir nicht klar war wie ich David aus dem Weg gehen sollte, dann habe ich die Einladung ausgeschlagen.

9/11

9/11

Am 11. September 2001 wurden Terroranschläge auf die Twin Towers des World Trade Centers, das Pentagon und weitere Ziele verübt. Das war ein Jahr vor meiner Sommerschule. Wir haben um 14:46 in dem großen Hörsaal bei AMD eine Gedenkminute eingelegt.
Dieser Terror hat sich so tief in die amerikanischen Seelen gebrannt, dass keine Maßnahmen mehr unangebracht erschienen. Krieg in Afghanistan, Tötung von Ossama bin Laden in Pakistan, “racial profiling” und das Verbieten von Flüssigkeiten im Flugverkehr sind nur einige wenige davon.
In diesem Zuge haben die Amerikaner aber auch die Einreisebestimmungen geändert. Wer einreisen wollte, musste auf einmal drei Fragen schriftlich beantworten.

  1. Planen Sie einen Terroranschlag zu begehen.
  2. Planen Sie den Präsidenten der Vereinigten Staaten umzubringen.
  3. (Ich habe die Frage vergessen, aber es geht mir hier auch nicht ums Detail)

Ich habe mich gefragt: “Was soll das denn?”. Kein Terrorist würde doch hier wahrheitsgemäß antworten. Darum ging es aber auch gar nicht. Es ging darum, nach einem Anschlag schnell und unbürokratisch festzustellen, dass die Einreise nicht legal war und damit auch der Aufenthalt nicht mehr entzogen werden muss. Also es ist ein reine juristisches Konstrukt, vielleicht so eine Art Versicherung. Zudem ist es ein Weg nochmal deutlich darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig die Einhaltung gewisser Regeln ist.
Ich bräuchte ein ähnlich hartes Kriterium um eindeutig im Vorfeld und ohne (juristische) Umwege größtmögliche Eindeutigkeit und Sicherheit zu bieten. Welche Kriterien würde ich nun brauchen um sicherzustellen, dass ich niemanden mit einem Freund verwechseln würde, der mir die Freundin ausspannen könnte?

Mein Kriterium: “Glaube ich, dass Du mir die Freundin ausspannen könntest?”

Mein Kriterium: “Glaube ich, dass Du mir die Freundin ausspannen könntest?”

Was macht man, wenn eine Katastrophe eingetreten ist, die sich nicht wiederholen darf. Man macht ein Konzept und beschließt Maßnahmen. Ich brauchte also ein Konzept zur Vermeidung speziellen Fehlverhaltens von anderen. Aber auch das beste Arbeitsschutz- oder Brandschutzkonzept ist keine Garantie, dass der entsprechende Schaden vermieden wird. Eigentlich habe ich geglaubt, dass es sich nicht wiederholen wird. Die Wahrscheinlichkeit derartiges zu erleben, habe ich deutlich kleiner als 1% eingeschätzt. Entsprechend winzig wird die Wahrscheinlichkeit, es mehrfach zu erleben. Ich wollte aber absolut sicher sein, dass sich dies nicht wiederholen könnte.
Ähnlich wie es die Amerikaner nach dem 9/11 machten, sollte die rechtzeitig und klar kommunizierte Grundvoraussetzung einer Freundschaft auf den beiden Kriterien meiner Definition des Ausspannens beruhen.

Der einfachste Weg zu verhindern, dass sich ein derartiges Trauma verhindern kann, ist einfach auf alle Freunde und Partnerinnen zu verzichten. Das ist ein brillant einfacher Weg zu verhindern, dass einem die Partnerin von einem Freund ausgespannt werden kann. Ich habe mich mit der Idee ganz wohl gefühlt, keine Freunde mehr zu haben, es gab mir das Gefühl von Sicherheit, Kontrolle und Selbstbestimmung. Ich war sicher, dass sich das Trauma, welches ich gerade erlebte, nicht wiederholen könnte. Innerlich habe ich alle Freundschaften beendet, meine ehemaligen Freunde wussten zu diesem Zeitpunkt davon nichts, und auch ich wusste es noch nicht, aber ich habe es in den folgenden Jahren gemerkt. Es fiel mir sehr schwer mich mit Freunden zu treffen, die weiterhin mit David befreundet waren. Schnell fällt aber auf, dass ein Leben ohne Freundschaften zwar wirksam ist, aber doch auch sehr radikal und extrem einschneidend, vielleicht unnötig einschneidend ist.
Dann ist da die Frage, ob es nicht vielleicht besser wäre, sich zu entscheiden, Partnerin oder Freunde aber nicht beides gleichzeitig. Diesen Weg bin ich bewusst gegangen auch, da es einfach war, denn eine Partnerin war in dem Moment nicht in Sicht und ich wollte damals auch wirklich keine andere als Diana. Ich habe mich bewusst für meine Freunde entschieden und gegen eine neue Partnerin.
Wenn man diesen Gedanken weiter spinnt, dann kommt man auch schnell auf Überlegungen wie: “Wenn alle meine Freunde weiblich sind, dann können sie meine Partnerin nicht ausspannen”. Ich habe tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, aber fand sie praxisfern und auch unzureichend. Ich wollte alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Beziehungsstatus usw. gleich behandeln. Mein Kriterium musste rein verhaltensbasierend sein. Mein Kriterium war die Frage: “Glaube ich, dass Du mir die Freundin ausspannen könntest?”. Gemeint war “wenn es jemand geschafft hat, meine Freundin dazu zu bringen sich von mir zu trennen, würde er dann danach Sex mit ihr haben obwohl er weis, dass er damit unsere Freundschaft zerstört!”

Dieselskandal

2015 würde der Dieselskandal bei Volkswagen aufgedeckt. Mehr als 30 Milliarden Euro musste der Konzern für Strafen, Entschädigungen, Rückrufe und Rückkäufe ausgeben. Zahlreiche Mitarbeiter wurden vor Gericht angeklagt und bekamen teilweise sogar Haftstrafen. Der Konzern hatte das Vertrauen seiner Kunden, seiner Aktionäre, seiner Mitarbeiter verspielt. Wer ein Auto bestellt hatte, es aber noch nicht geliefert bekam, wollte es nicht mehr oder nicht mehr zum vereinbarten Preis. Kunden, die es wussten, wollten das Auto nicht mehr. Um zu verhindern, dass sich derartiges wiederholen könnte, wurden ein neues Vorstandsressort “Integrität und Recht / Compliance” und ein Whistleblower System eingeführt.
Was würde ich tun um dem entgegen zu wirken? Auch beim Bewerbungsprozess wurden die Schwerpunkte verschoben. Fragen zu ethischem Verhalten bei Entscheidungsfindung und Verantwortung wurden eingeführt, um Integrität und Verantwortungsbewusstsein zu evaluieren. Lebensläufe und Referenzen von Kandidaten wurden geprüft. Im Onboarding wurden Compliance-Schulungen früh platziert. Mit anderen Worten, es wurden konkrete Maßnahmen ergriffen, um zu vermeiden, dass kriminelle Mitarbeiten eingestellt werden würden. Es war ein Versuch, in die Zukunft zu blicken und das zukünftige Vorgehen des potentiellen Mitarbeiters vorhersagen.

Bewerbungsgespräche

Wenn ich mit einem Kandidaten ein Bewerbungsgespräch führe, dann bereite ich mich vor. Ich lese die Bewerbungsunterlagen und überlege mir, welche Fragen ich stellen möchte. Ich prüfe aber nur zwei bis drei Aspekte, die für die Stelle relevant sind. Andere Aspekte werden von Kollegen angesprochen. Ich bin pünktlich zum Bewerbungsgespräch. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit dem Kandidaten Indizien für das richtige Verhalten aus der beruflichen Vergangenheit zu finden. Die Perspektive ist also eine andere: Ich versuche nicht, möglichst fiese Fragen zu stellen und habe gewonnen, wenn der Kandidat diese nicht beantworten kann. Vielmehr arbeiten wir gemeinsam daran, die Gründe für eine Einstellung zu beleuchten, damit ich diese später nutzen kann, um den Rest des Teams zu überzeugen. Dann haben wir beide gewonnen.
Fiktive Fragen über die Zukunft mit Konjunktiven sind dabei allerdings nicht zielführend: Beispiele: „Was würden Sie tun, wenn ein Vorgesetzter Sie zu einem regelwidrigen Verhalten auffordert?“ Oder „Wie gehen Sie mit Zielkonflikten zwischen Unternehmenszielen und gesetzlichen Vorgaben um?“
Es geht um konkrete Fragen aus der professionellen Vergangenheit des Kandidaten: Also beispielsweise “Erzähl’ mir von einer Situation, in der Dich dein Chef oder ein Kollege kritisiert hat?” oder auch: ”Erzähl mir von einem Fehlschlag. Warum schien es wie eine gute Idee? Was ist dabei schief gelaufen und was hast Du daraus gelernt?”
Ich weis diese verhaltensbasierten Fragen sind echt schwierig zu beantworten und ich empfehle jedem sich darauf gut vorzubereiten. Wenn aber ein Kandidat gut vorbereitet ist, die Situation, seine Aufgaben, seine Handlungen und die Ergebnisse vernünftig schildern kann, dann ich es möglich, die Vorgehensweise und Denkmuster des Kandidaten nachzuvollziehen. Versucht er das Problem alle zu lösen, delegiert er alles, Fragt er Kollegen oder Kunden nach ihrer Meinung, bewirft er Beratungsfirmen mit Geld, um die Aufgabe zu übernehmen? Gründet er ein neues Team oder Startup? Bleibt er in der Verantwortung? Hat er etwas erfunden oder macht er eher “Business as usual”?
Die eigentliche Frage ist nicht immer essentiell, sie dient nur als Conversation-Starter für die Diskussion und erlaubt es, mit Rückfragen den Kandidaten an konkreten Beispielen kennenzulernen.
Fragen nach Fehlschlägen sind Fragen nach Erfahrung und Einsicht und Selbstreflexion.
Aber was ist, wenn der Kandidat lügt? Mit den Rückfragen “grabe” ich mich als Interviewer tief in konkrete Details der Geschichte, dabei können weiter Indizien zu Tage gefördert werden, aber nebenher wird die Geschichte dadurch glaubhafter oder es entsteht ein Eindruck, belogen worden zu sein.
Wenn der Eindruck entstanden ist, dass der Kandidat gelogen hat, dann wird das nachher im Team angesprochen. Die anderen Interviewer gehen darauf ein, lassen sich ggf. überzeugen und geben ihre Eindrücke weiter. Wenn aber mehrere Interviewer den Eindruck bekommen haben, dass der Kandidat lügt, dann ist das ein KO Kriterium. Die Bewerbungsrunde ist sofort beendet.
Auch wenn die gesammelten Beweise keine klaren Stärken in den relevanten Bereichen aufzeigen oder einfach zu schwammig geblieben sein, dann wird ein Kandidat immer abgelehnt.
Jeder Kandidat - auch die potentiellen Lügner - bekommt die Chance sich später noch einmal auf eine andere Stelle zu bewerben.
So wird aus einem: “Wir wollen nicht, dass Du hier arbeitest” ein “Wir konnten diesmal nicht deutlich genug darlegen, dass Du in allen notwendigen Bereichen ausgeprägte Stärken ausziehst”. Das und auch das gemeinsame Arbeiten am gleichen Ziel, nämlich einer Einstellung, ist aus meiner Sicht super positiv.

Warum wollte ich eigentlich nicht mehr mit David befreundet sein? Das Risiko, dass er sein Fehlverhalten wiederholen könnte, war mir einfach zu hoch. Wichtig war tatsächlich nicht, ob er mir meine Freundin ausgespannt hat, vielmehr ging es mir generisch um die Einstellung. Eine Freundschaft sollte von beiden Seiten die gleichen fairen Werte vertreten und ich konnte mir nicht vorstellen, so feindlich wie David zu handeln.
Ich habe versucht möglichst objektiv zu bewerten: ”Ob ich glaube, dass jemand aufgrund seiner charakterlichen Eigenschaften bei Gelegenheit versuchen würde, mir die Partnerin auszuspannen”. Oder kurz: “Glaube ich, dass Du mir die Freundin ausspannen würdest”. Ja, David, ich glaube, dass Du genau das wieder tun würdest, daher möchte ich, dass Du keinen Kontakt zu meinen zukünftigen Partnerinnen haben wirst. Auch wäre ich beim zweiten Mal mit Schuld, wenn ich solches Verhalten beim ersten Mal tolerieren würde.

Um diese Frage zu beantworten, habe ich mit jedem meiner engeren Freunde ein Gespräch geführt und am Beispiel “David und Diana” versucht, verhaltensbasierte Antworten objektiv zu beurteilen. Dazu habe ich konkret versucht, die Schlüsselsituationen von Davids Fehlverhalten durchzuspielen und gefragt, wie sich der befragte in dieser Situation verhalten würde. Vom konkreten Szenario “David und Diana” bin ich von abstrakten Fragen zum Verhalten gekommen. Hierbei ging es immer darum welches Verhalten ist mit einer Freundschaft vereinbar. Wir haben den Grenzbereich der Freundschaft genau beleuchtet. Danach habe ich wieder konkret über meinen Freund und mich über die Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft gesprochen. Ich habe die Ergebnisse notiert und später ausgewertet.
Ich habe dabei immer an ein Schulnotensystem gedacht. David war in dem System zweifelsfrei eine sechs, denn eindeutiger konnte ich die Frage “Glaube ich, dass Du mir die Freundin ausspannen würdest” nicht beantworten. Unklar war mir aber anfänglich das obere Spektrum der Skala. Auch zeichnete sich ab, dass diese einfache Ja/Nein-Frage oft mit “unklar”, “eher nein”, “neutral” oder ähnlich vagen Ergebnissen beurteilt werden musste. Diese habe ich meistens mit einer Drei Oder Vier bewertet. Mir war nicht klar, wie ich damit umgehen sollte. David waere vermutlich bevor der Diana kannte auch eine drei gewesen. Ich habe versucht die Beurteilung in weiteren Gesprächen zu festigen.

Saschas Versprechen

Saschas Versprechen

Einer der Freunde, die ich nach der Frage “Glaube ich, dass Du mir die Freundin ausspannen würdest” bewertet habe, war Sascha F.. Ich hatte bereits mehrere Gespraeche gefuehrt und entsprechend Erfahrungen gesammelt bevor ich mit Sascha F. gesprochen habe. Sascha F. wusste bereits aus Vorgesprächen recht gut was vorgefallen war und wie ich das bewerte. Sascha F. hat vermutlich verstanden worum es geht und warum ich abstrakte Fragen zum Thema “Ausspannen” stelle. Er hat die Bewertung auf wundersame Weise abgekürzt indem er mir versprochen hat, dass er sich von jeder meiner zukünftigen Partnerinnen fernhalten wird. Damit war eine weitere Bewertung unnötig. Ich habe das nicht von ihm verlangt sondern er hat es mir aus eigenem Antrieb versprochen. Das war viel mehr als ich erhofft hatte und viel mehr als ich hätte erwarten können. Damit hatte Sascha F. meine Schulnotenskala neu definiert und zweifelsfrei eine eins verdient. Auch hatte Sascha F. mich in einen schweren Zeit wirklich glücklich gemacht. Mit diesem Versprechen war das Fundament für eine unbeeinträchtigte Freundschaft gelegt.
Einerseits hatte ich den Eindruck , dass Sascha F. mit dem Versprechen unheimlich viel Empathie gezeigt hatte. Er hat die ungestellte Frage “Glaubst Du, dass Du mir die Freundin ausspannen würdest, wenn Du die Gelegenheit dazu hattest?” mit einem Versprechen beantwortet. Wer sollte diese Frage besser beantworten können als Sascha F. selbst?
Auf der anderen Seite war das Versprechen in dem Moment rein emotionaler Natur. Da ich keine Freundin hatte, war das Versprechen für den Moment wertlos. Sascha hätte sich auf den Kopf stellen können es war in dem Moment nicht möglich das Versprechen zu brechen. Es würde erst an Bedeutung gewinnen wenn ich wieder eine Partnerin hätte. Die Zukunft würde zeigen welche Verbindlichkeit durch das Versprechen entstanden war. Ich jedenfalls konnte mit gutem Gewissen wieder eine Freundschaft mit Sascha F. aufbauen.

Neben Sascha F. hat nur ein Freund bei der Bewertung der Frage “Glaube ich, dass Du mir die Freundin ausspannen würdest” gut abgeschnitten.
Alle uneindeutigen Bewertungen habe ich mit: “Es ist mir zu riskant diesem Freund die Telefonnummer meiner Partnerin zu geben” bewertet. Es mag wie ein unfassbar krasser Schritt wirken, aber diese Freundschaften musste ich ruhen lassen. Zweifellos war das Risiko für mich zu hoch bzw. einfach nicht einschätzbar.

Dieses Konzept muss dann regelmäßig geschult werden damit es nicht in Vergessenheit gerät.

Sascha F.

Sascha F.

Sascha F. ging gerne in Kneipen und Bars um Bier zu trinken und Alkohol half auch mir ein wenig das Geschehene kurzzeitig ausblenden. Sascha F. war ein grosser Fan vom “Courage”, das war eine Kneipe bzw. ein Restaurant am Senefelderplatz. Ich habe durch Sascha F. auch neue/alte Freunde kennengelernt und war froh nicht immer an David oder Diana erinnert zu werden.
Auch den neuen Freunden habe ich die Geschichte mit David und Diana erzählt und bewertet, wie sie zu dem Thema stehen und ob ich glaube, dass sie eventuell wie David handeln würden. Wenn ich alleine im Bett lag, dann kamen wieder die Erinnerungen an David und Diana zurück und ich konnte sehr schlecht schlafen. Wenn ich aber in scheinbar netter Gesellschaft abgelenkt wurde, dann konnte ich fuer eine gewisse Zeit auf andere Gedanken kommen.

Sascha F. war ein Mensch, der viele Gemeinsamkeiten zu mir hatte. Wir hatten ähnliche Interessen und Vorlieben für Filme, Computerspiele und mehr. Nur seinen Hang zu Tabakwaren könnte ich nie teilen. Ich fand es aber immer faszinierend wenn er fast schon zeremoniell Zigarillos, Zigarren oder eine Pfeife benutzte.
Er hatte gerade sein BWL Studium in Freiberg abgebrochen und war jetzt wieder in Berlin. Sascha F. hatte nach schlechten Erfahrungen nach eigener Aussage den Frauen abgeschworen. Er war ein verschlossener Mensch der eher vage Andeutungen machte anstatt offen darüber zu sprechen. Auch Sascha hatte Schlafstörungen, da er immer viel grübelte anstatt seine Gedanken zu besprechen. Ich hatte ja selbst entschlossen, dass mir Freunde wichtiger sind als eine Partnerin. Mir war auch das Risiko viel zu hoch eine Partnerin und Freunde gleichzeitig zu haben. Auch hatte ich Probleme einzuschlafen da ich mich immer über Diana und David ärgerte wenn ich nicht ausreichend abgelenkt wurde. Ich habe aber meine Gedanken mit meinen Freunden geteilt und versucht diese zu verarbeiten. Um besser einschlafen zu können, höre ich daher bis heute gerne Podcasts zum einschlafen.

Im Juli 2003 habe ich erst eine Sommerschule, dann eine Stelle und auch meine Diplomarbeit in Wannsee gemacht. Ich war lange am Pendeln zwischen Wannsee, dem Unisport und meinem zu Hause. Viel Zeit hatte ich nicht mehr, aber die Ablenkung tat auch gut.

Nadine B.

Nadine B.

An einem normalen Freitag im Dezember(?) 2003 fuhr ich nach der Arbeit ins Fitnessstudio. Danach war ich mit Sascha und Micha im Courage verabredet.
Ich hatte meine grosse Eastpak Sporttasche mit meinen durchgeschwitzten Sportsachen und meinem nassen Handtuch dabei. Daher wirkte auch in der U-Bahn immer etwas eng auf mich. Ich war frisch geduscht und wie seit der Trennung eigentlich immer war ich vollständig schwarz gekleidet. Ich hatte meinen schwarzen Esprit Rollkragenpulli an. Damals hatte ich lange Haare, die noch immer trocken werden mussten. Ich hatte meine Haare mehr als drei Jahre wachsen lassen. Von den 24 kg, die ich verloren hatte, habe ich 12 kg durch das Fitnessstudio zurück bekommen. Da ich als letztes kam, hatte ich den Platz, den keiner haben wollte - am Gang - aber das war nicht schlimm. Wir saßen an einem Tisch ziemlich zentral und ich hatte den Eingang zur Küche und Toilette in meinem Blickfeld.
Es wirkte wie ein ganz normaler Abend an dem wir Bier trinken und quatschen. Das Courage war etwas voller als sonst, aber das lag wohl insbesondere am Wochenende.
Ungewöhnlich an dem Abend war eine junge blonde Dame, die mich beim Weg auf die Toilette auffällig ansah und den Kopf verrenkte um mich dabei zu beobachten. Weil ich immer dachte, dass sie mir etwas sagen möchte, habe ich auch sie angesehen. Um zur Toilette zu kommen musste sie einmal direkt hinter mir vorbeigehen und dann an der Küche entlang zur Toilette direkt in meinem Blickfeld. Auf dem Rückweg kam sie wieder zweimal an mir vorbei. Sie gehörte zu einer etwas größeren Gruppe von feiernden auf einem Sofa am Ende des Courage. Wie ich später erfuhr war ihr Name Nadine B.. Nadine ging zwei weitere Male zur Toilette und streichelte beim Vorbeigehen an meinem Stuhl über meine Schultern (und/oder langen Haare) und ließ mich keine Sekunde unbeobachtet. Sascha machte abwertende Bemerkungen über sie. Damit konnte ich Nadine nicht mehr ignorieren. Ich stand auf und ging auch auf die Toilette um mit Ihr zu reden. Dummerweise kam Nadine nicht aus der Damentoilette sondern unterhielt sich mit einer Freundin (Hanna?) auf der Toilette über mich. Hanna hatte gesehen wie ich aufgestanden war und musste ich die Nachricht gleich verkünden. Offenbar hatten die beiden bereits zuvor über mich gesprochen. Ich kam mir ziemlich bloed vor so vor der Damentoilette zu lauern und verlor nach einigen Minuten die Motivation weiter zu warten. Daher bin ich dann selbst auf die (Herren-)Toilette gegangen.
Retrospektiv wäre es vermutlich auch kein Problem gewesen einfach auf die Damentoilette zu gehen, die beiden waren eher am Waschbecken als auf der Toilette. Da dies aber nicht in meinem Naturell liegt, habe ich diese Option nicht in Betracht gezogen.
Als ich aus der Toilette kam war Nadine bereits wieder an ihrem Platz auf dem Sofa.
Die Gruppe um Nadine feierte den Abschluss des Examens zum Altenpfleger. Nadine hatte einige (acht?) Pina Coladas getrunken, aber das erklärt nur kleine Teile des Abends. Die Gruppe um Nadine zog sich an, um aufzubrechen.
Nadine kam zu mir, legt mir die Hände auf die Schultern und umarmte mich von hinten. Sie sagte mir, dass sie mit den anderen in den “Klub der polnischen Versager” weiterziehen will und fragte mich ob ich nicht mitkommen möchte.
Um zu verhindern, dass sich eine Situation wie bei “David und Diana” wiederholen konnte, hatte ich aber entschieden, dass Partnerin und Freunde gleichzeitig zu haben mir zu riskant ist. Zudem hatte ich bei der Frage wofür ich mich entscheide für meine Freunde und gegen eine neue Partnerin entschieden. Daher antwortete ich ihr: “Meine Freunde sind mir wichtiger. Ich möchte heute einen schönen Abend mit meinen Freunden verbringen, wir haben in letzter Zeit viel zu wenig Zeit miteinander verbracht”. Nadine, die offenbar enttäuscht war, erwähnte nochmals was ich bereits wusste: “ Wir gehen in den Klub der polnischen Versager“ und ging daraufhin mit ihrer Gruppe aus dem Courage.
Obwohl es doch eigentlich ein grosses Kompliment für ihn war, war Micha entsetzt von meiner Reaktion. “Wie kannst Du denn so reagieren?” Er hat mich in dem Moment überhaupt nicht verstanden. Micha sprang auf, ging aus dem Courage und lief Nadine nach. Er bat Nadine ihren Namen und ihre Telefonnummer für mich aufzuschreiben. Nadine fing offenbar an den Zettel auf Michas Rücken zu schreiben. Da man ihre Telefonnummer nicht lesen konnte, hat sie diese auf einer besseren Unterlage nochmals aufgeschrieben. Nadine zog weiter in den “Klub der polnischen Versager”.

Ich dachte lange Zeit, dass die Krakelschrift von Micha gewesen wäre. Habe aber viele Jahre später erfahren, dass Micha nicht für Fehler in der Nummer verantwortlich sein wollte und es deswegen Nadine überlassen hat. Nadine schrieb draussen und im stehen auf den Zettel, während Micha seinen Rücken als Schreibunterlage bereitstellte.

Ich war inzwischen auch neugierig geworden und hatte ohnehin vor Nadine zu folgen. Ich war mir aber die Situation und des Risikos sehr bewusst.
Micha versuchte mich weiterhin zu überreden Nadine zu folgen und obwohl ich wirklich den Abend mit meinen Freunden verbringen wollte, hatte ich den Eindruck, dass auch Sascha sich wünschte, dass ich gehen würde.
Nachdem ich mein Bier ausgetrunken hatte und auch geistig vorbereitet war verabschiedete ich mich und ging mit meiner Sporttasche in den “Klub der polnischen Versager”.
Dort wurde ich schnell von der Gruppe freudig empfangen. Nadine sass auf einem Sofa direkt am Fenster. Mir wurde schnell ein Platz links neben ihr frei gemacht. Ich habe meine Sporttasche abgestellt und mich auf das Sofa neben Nadine gequetscht.
Ich habe mich vorgestellt und versucht mich mit Nadine zu unterhalten. Das war bei der Lautstärke nicht so ganz einfach. Der Rest von Nadines Gruppe hat uns sehr diskret in Ruhe gelassen.
Nadine hat stark geraucht und meinte, dass ich mit Ihrem Rauchen einverstanden sein müsste, da sich ja bereits geraucht hat bevor wir einander kennengelernt haben. Ich bin und bleibe kein Fan von Rauchen und Rauchern. Im Falle der mit quasi unbekannten Nadine war mir das Rauchen auch relativ egal. Ich fand aber unangenehm auffällig wie wichtig ihr das Thema ist.
Ich hatte 2002 nach der Trennung von Diana überschlagen, wie viele Frauen aus Berlin überhaupt für mich in Frage kämen. 60% der relevanten Altersgruppe waren Raucherinnen, diese hatte ich direkt ausgeschlossen.
Irgendwann drehte Nadine sich weg von mir, hielt kurz inne und kam dann zurück um mich leidenschaftlich, lang und intensiv zu küssen.
Wir haben dann den Rest des Abends knutschend auf dem Sofa verbracht. Nadine saugte auch mehrfach leidenschaftlich an meinem Hals. Ich habe dann das Saugen am Hals bei Ihr wiederholt ohne zu wissen, dass ich mich bald dafür entschuldigen würde.
Ich genoss wie sie mich am ganzen Körper packte und streichelte. Ich erwiderte ich ihre Aktionen.
Irgendwann kam dann auch noch Sascha schaute sich die Lage an, sagte kurz “Hallo” und ging wieder vor den Club auf die Strasse um zu Rauchen. Sascha merkte vermutlich, dass er Nadine und mich nur stören konnte und verschwand dann auch wieder.

Ein Gutschein für ein Wochenende Harley Davidson

Ein Gutschein für ein Wochenende Harley Davidson

2005: Sascha F. fuhr gerne Motorrad. Daher hat er im September zu seinem 27. Geburtstag einen Gutschein für ein Wochenende Harley Davidson mieten bekommen. Ich denke, dass sein Vater ihm diesen Gutschein geschenkt hatte. Früh bezog mich Sascha in seine Überlegungen zu einer Motorradtour ein und früh wollte er mich in Darmstadt besuchen kommen.
Bei meiner Fernbeziehung mit Nadine stellte sich immer die Frage: “Wann fahre ich eigentlich zu Nadine und wann fährt sie eigentlich zu mir?”. Entsprechend war Nadine ein essentieller Teil der Planung. Die Frage ob ich überhaupt in Darmstadt bin hing ja auch vor allen Dingen von Nadine ab.
Da wir in unserer WG in Darmstadt zum 3. Oktober 2005 eine Party veranstaltet haben, kristallisierte sich schnell heraus, dass ich dann idealerweise nicht nach Berlin fahren sollte. Aber vielleicht wäre es eine gute Idee wenn dann Sascha nach Darmstadt käme. Wichtiger aber war mir meine Freundin Nadine. Ich weis nicht genau wer die Idee hatte, aber sie kam in einem Telefonat zwischen Sascha und mir auf. Die Idee war, dass Sascha meine Freundin Nadine per Motorrad mit zu der Party nach Darmstadt bringt. Retrospektiv denke ich, dass es seine Idee war.

Sascha F. wollte mit seiner Harley eher über Landstraßen cruisen und nicht über die Autobahn fahren. Entsprechend verlängert sich die Fahrzeit von etwa sechs auf etwa neun Stunden. Beide Sascha und Nadine wollten diese lange Tour fahren. Im September war das Wetter noch recht schön und trocken, aber im Oktober ist typischerweise die Motorradsaison vorbei.
Geplant war, dass Sascha Nadine morgens um 08:00 Uhr abholt, beide dann nach Darmstadt fahren und dann mit Pausen gegen 18:00 in Darmstadt ankommen. Die Party sollte um 20:00 Uhr beginnen es war also noch ausreichend Zeit für die Gäste sich zu akklimatisieren.

Die Telefonnummer meiner Freundin

Die Telefonnummer meiner Freundin

Der Plan, dass Sascha Nadine abholt und zu mir bringt konnte nur funktionieren wenn ich Sascha F. die Telefonnummer meiner Freundin Nadine und auch ihre Adresse geben würde.
Bei David und meiner Freundin Diana war der Austausch der Telefonnummern von beiden der kritische Teil des Anfangs vom Ende meiner Beziehung.
Daher war es für mich ein größeres Problem die Telefonnummer meiner Freundin weiterzugeben. Wie könnte ich also so dumm sein und die Telefonnummer meiner Freundin einem Freund geben, der zudem noch Single ist.
Die Antwort ist ganz einfach. Ich hielt es für ziemlich krank dauerhaft niemals einem einzigen meiner Freunde die Telefonnummer meiner Partnerin zu geben. Sascha F. hatte mir aber versprochen sich von jeder meiner zukünftigen Partnerinnen fernzuhalten. Nadine B. war die erste Gelegenheit um dieses Versprechen einzuhalten oder eben auch zu brechen.
Ich habe im September 2005 erst mit Sascha ausgiebig telefoniert, um die Frage: “Glaube ich, dass Du mir Nadine ausspannen würdest?” genau zu beleuchten. Danach habe ich Nadine zu ihrer Einstellung erneut befragt, um sicher zu sein, dass sie weiterhin keine Freundschaften von mir zerstören würde und sich insbesondere hier ganz konkret von Sascha F. nach der Reise fernhalten würde. In einem dritten Telefonat habe ich dann nochmals Sascha Charakterzüge erfragt, die Verbindlichkeit seines Versprechens nochmal betont und ihm schließlich die Telefonnummer meiner Freundin Nadine anvertraut.
Ich hatte ein sehr schlechtes Gefühl danach, aber ich hatte tatsächlich sehr klare Grenzen wiederholt ausformuliert und sowohl Sascha F. als auch Nadine B. haben sich dazu bekannt.

Die Party zum Tag der Deutschen Einheit

Die Party zum Tag der Deutschen Einheit

Der 3. Oktober 2005 war ein Montag. Daher wurde die Party auf den Sonntag davor verlegt. Der Termin zum langen Wochenende war perfekt, aber leider das Wetter nicht. Es war bewölkt und es regnete immer wieder.
Während Sascha F. mit meiner Freundin Nadine B. durch die Republik fuhr, haben wir eingekauft und die letzten Vorbereitungen für die Party aber auch für meine Gäste, getroffen. Ich glaube, dass ich damals zwei große Töpfe Chili gekocht habe. Einen “con carne” und einen vegetarischen “sin carne”.
Nach zehn Stunden Fahrzeit hätten Sascha und meine Freundin Nadine dann aber gegen 18:00 Uhr in Darmstadt ankommen sollen. Sie kamen aber nicht. Ich habe meine Freundin Nadine angerufen, aber sie ging nicht ans Telefon. Ich habe Sascha angerufen, aber er ging ebenfalls nicht ans Telefon. Es war mir nicht gelungen herauszufinden was Sascha gerade mit meiner Freundin Nadine gemacht hat oder wann beide ankommen würden.
So kamen dann ab 20:00 Uhr andere Gäste und die Party kam langsam in Schwung. Die Musik wurde lauter, das Büffet würde eröffnet und die Korken knallten.
Gegen 22:00 Uhr war Sascha bereits vier Stunden länger mit meiner Freundin Nadine unterwegs als geplant. Ich erhielt einen Anruf von Sascha F., dass sie sich verspäten würden. Irgendwie war der Anruf etwa sechs Stunden zu spät. Ich wusste doch bereits, dass beide zu spät kommen. Ich konnte aber auch auf Rückfrage keine gute Prognose für eine Ankunftszeit in Erfahrung bringen. Mitternacht war wohl ein halbwegs realistischer Zeitpunkt. Ich konnte leider nichts tun um die Motorradtour zu beschleunigen.
Claudia, eine meiner Mitbewohnerinnen brachte weihnachtliche Rentierhaarreifen von denen ich einen trug. Die Nacht wurde länger, die Biervorräte wurden kleiner und die Gäste machten sich nach und nach auf den Heimweg. Wir haben das Sofa aus dem Wohnzimmer in das Zimmer von Thomas gestellt und dort weiter Musik gehört.
Draußen war es schon lange dunkel und es wurde nun auch ein wenig kälter.
Gegen 02:00 also 18 Stunden nach der Abfahrt rief mich dann meine Freundin Nadine an. Sie sagt, dass sie jetzt in Frankfurt ist und dass ich sie dort mit dem Auto abholen soll. Gerne wäre ich ihrem Wunsch nachgekommen, aber das war aus zwei Gründen unmöglich. Erstens hatte ich gar kein Auto und zweitens hatte ich bereits zu viel Alkohol getrunken um selbst zu fahren. Ich konnte mir im Normalfall das Auto eines Mitbewohners ausleihen, aber ich wollte nicht einmal fragen, da ich viel zu viel getrunken hatte und es wäre auch seine Mitverantwortung gewesen wäre. Insgesamt war in der WG niemand mehr fahrtauglich.
Ich fand aber auch den Wunsch sehr merkwürdig, da ich doch mit dem Auto hin und zurück von Darmstadt nach Frankfurt ganz sicher mehr Zeit benötigen würde, als sie mit einer S-Bahn oder mit dem Motorrad.
Es tat mir sehr leid ihr diesen Wunsch nicht zu erfüllen, aber er war einfach in dieser Situation vollkommen unrealistisch.
Ich würde ja von meiner Freundin auch nicht verlangen Nachts um 03:00 betrunken Auto zu fahren.
Da auch ein Taxi auf der Strecke ganz schön teuer wäre ist Nadine wieder mit Saschas geliehenem Motorrad weitergefahren.
Gegen 03:00 sind die beiden dann endlich angekommen. Nach 19 Stunden mit 9 Stunden Verspätung. Ich bin sofort runter um die beiden zu begrüßen und beiden zu helfen. Nadine war ganz durchgefroren, daher habe ich ihr erstmal eine Badewanne mit “heißem” Wasser eingelassen. Beide haben seltsame Dinge erzählt, um zu begründen, warum sie zu spät waren, aber ich habe es nicht verstanden, das war doch eigentlich in den 9 Stunden geplant. Es fiel mir schwer, ihren Aussagen zu glauben. Ich weiß gar nicht mehr wessen Idee das mit der Badewanne war, aber retrospektiv ist es schon komisch, dass Nadine erst einmal dringend Baden musste, bevor ich mehr Zeit mit ihr verbringen kann. So richtig heiß war das Wasser um die Uhrzeit nicht, aber der Boiler hat schnell angefangen, wieder heißes Wasser zu machen. Hätte ich das vorher geahnt, dann hätte ich doch für warmes Wasser sorgen können …
Da weder Sascha F. noch meine Freundin Nadine B. Wechselklamotten für den Folgetag dabei hatten, wollte ich deren Wäsche waschen und gleich im Trockner trocknen. Leider war noch die fertige Wäsche einer meiner Mitbewohnerinnen in der Maschine. Als ich sie bat, diese schnell wieder leer zu machen, habe ich ein wenig die Partystimmung getrübt und mir auch Kritik anhören müssen, aber es ging ja auch nur um zwei Minuten. Das war die erste Gelegenheit, bei der ich den neuen Trockner verwendet habe und vermutlich war es auch die einzige Gelegenheit.
Nadine hat von meiner Mitbewohnerin Claudia einen warmen weißen Schlafanzug bekommen. Sascha F. hat mit dem inzwischen wärmeren Wasser danach noch geduscht.
Das Essen war zwar längst kalt, aber es war noch sehr viel übrig. Ich habe das Chili heiß gemacht und beide haben davon gegessen.
Dann sind wir in das Zimmer von Thomas, haben uns auf das Sofa gesetzt und haben ihm zugehört, wie er Gitarre gespielt und gesungen hat. Nadine hat meinen Rentierhaarreifen bekommen und wir haben noch etwa eine Stunde die letzten Ausläufer der Party genossen. Ich saße auf dem Sofa und Nadine saß direkt vor mir. Ich habe sie umarmt, aber es fühlte sich irgendwie anders an als sonst.
Später haben wir auch überlegt, ob es nicht besser wäre, wenn Nadine mit der Bahn zurück fährt, aber irgendwie haben wir den Gedanken leider verworfen.
Gegen 05:00 wollten Sascha und Nadine auch schlafen gehen, denn einen 19 Stunden Trip zurück nach Hause. sollte man auch rechtzeitig starten.
Also haben wir die Schlafcouch, die Sascha als Bett dienen sollte wieder ins Wohnzimmer geschoben und ihm Bettzeug gegeben.
Nadine ging auf die Toilette und hat einen Monatsvorrat an Toilettenpapier leer gemacht. Zugegeben war unser Verbrauch moderat, aber ihr Verbrauch ging weit über das was ich von ihr kannte. Warum hatte sie so wahnsinnig viel Toilettenpapier verbraucht?
Meine Freundin Nadine B. schlief wie immer bei mir im Bett. Aber sie verhielt sich ganz komisch. Sie lag mit dem Rücken zu mir und behielt den geliehenen Schlafanzug an. Beides war sehr ungewöhnlich. Ich fragte mich ob sie es mir übel nimmt, dass ich sie nicht betrunken aus Frankfurt abgeholt hatte.
Sie war auch sehr verschlossen, es war mir nicht möglich mich wir bisher zu unterhalten.
Es war eine seltsame Situation ich fragte mich was geschehen war, was sie so sehr verändert hatte, aber ich habe nie eine Antwort von Nadine erhalten.

Am nächsten Tag als ich aufgestanden war war Sascha bereits eine Weile fertig.
Sascha F. war ein Frühaufsteher entsprechend verwunderte es mich nicht wirklich.
Ich war etwas unter Stress ich war dabei noch diverse Vorbereitungen für die Rückreise zu treffen. Sascha F. stand mir dabei irgendwie im Weg. Er starrte mich an.. Als mir sein Blick auffiel schaute ich fragend zurück. Es war ein Blick wie ich ihn in diesem Leben nur dieses eine Mal gesehen hatte. Er ging mir durch Mark und Bein, hatte etwas sehr rohes, brutales, aber hatte vor allen Dingen auch eine traurige Note. Ich bekam am ganzen Körper Gänsehaut. Wir standen im Treppenhaus und es war nicht sehr geräumig, daher wären wir auch relativ nah beieinander. Dadurch wurde die Situation um so surrealer und prägnanter.
Da war etwas über das wir dringend reden mussten. War jemand gestorben? Und warum schaute er so als müsste ich auch traurig sein? Was war geschehen, dass er mich so extrem auffällig mit so wenig Abstand anstarrt? Was wusste Sascha Fricke, das er nicht ausspach? Ich werde diesen Moment und diesen Blick wahrscheinlich nie vergessen.
Er reagierte aber nicht nicht normal auf meine Frage, sondern tat so als sei sein Blick etwas normales gewesen.

Ich habe Nadine Frühstück gemacht, sie hat ihre Sachen in Saschas Rucksack gepackt.
Sascha F. und meine Freundin Nadine B. sind dann wieder gemeinsam mit dem Motorrad zurück nach Berlin gefahren.
Ich hatte ein ziemlich schlechtes Gefühl dabei. Vorallen Dingen Nadine hat sehr negative Emotionen verbreitet. Irgendwie ist sie aber dennoch nicht mit der Bahn zurück gefahren.

Nachwirkungen

Nachwirkungen

Am folgenden Wochenende (also etwa am 09.10.2005) habe ich mit Nadine telefoniert. Sie wirkte traurig, sie wollte mit mir über etwas reden. Am Telefon wollte sie mir aber nicht sagen worum es geht. Wir hatten diese 28 Tage-Routine. Alle 28 Tage kam ich nach Berlin und alle 28 Tage kam Nadine nach Darmstadt. So könnten wir einander alle 14 Tage treffen.
Sie wollte, dass wir uns bei der Gelegenheit zu zweit im Amrit treffen. Ich habe versucht sie zu motivieren mit mir, Micha und Sascha ins Courage zu kommen, aber sie hat sich sehr gegen den Vorschlag gewehrt. Sie wollte unbedingt, dass wir uns zu zweit, vorher und an einem anderen Ort treffen.
Das war irgendwie ziemlich ungewöhnlich. Eine “Wir müssen miteinander reden!”-Situation. So seltsam haben wir uns noch nie verabredet. Gepaart mit ihrem auffälligen Verhalten im Bett am 03. Oktober könnte ich mir nichts anderes vorstellen, als dass sie unsere Beziehung beenden wird.
Daher und da wir in letzter Zeit jedes Telefonat so beendet hatten sagte ich ihr zum Schluss: “Ich liebe Dich meine Süße” und sie erwiderte: “Ich liebe Dich”.
Das war für mich ziemlich unerwartet, denn ich hatte gerade die Theorie aufgestellt, dass sie mich eigentlich nicht mehr liebt. Hätte Nadine mich belogen oder hatte ich ihr Verhalten und ihre Aussagen missinterpretiert bzw. überinterpretiert?

Trennung im Amrit

Trennung im Armit

Dann war es soweit. Es war der 14. oder 15. Oktober 2005. Ich war Mal wieder nach Berlin gefahren um mich mit meiner Freundin zu treffen. Wir haben uns vor dem Amrit getroffen. Dann bin ich mit Nadine in den Aussenbereich des Amrit. Aussenbereich war ein seltsames Wort geworden, denn der Aussenbereich war inzwischen ein großes beheiztes Zelt. Zudem war außen mit vielen Teppichen eine recht wohnliche Atmosphäre entstanden. Den Bierbank-Flair der vergangenen Jahre hatte der Aussenbereich abgelegt. Ich kannte das Amrit ziemlich gut und wusste genau dass ich eine Sauer-Scharf-Suppe bestellen würde. Nadine wollte wie so oft nichts essen. Nadine hat ihre Vitamine eher aus Piña Colada bezogen. Meine Suppe kam sehr schnell. Meine Freundin Nadine wollte, dass ich gleich anfange zu essen. Etwa als ich den dritten Löffel gerade Essen wollen, sagte sie mir, dass sie unsere Beziehung beenden möchte. Das war unerwartet. Die Suppe blieb mir im Halse stecken und mein ganzer Körper entwickelte so ein schauerliches Gefühl von Übelkeit und Appetitlosigkeit. Das war genau das Gefühl welches ich hatte als David meine Beziehung mit Diana zerstört hatte. Das Gefühl wegen dem ich 2002 bis 2003 nichts essen konnte. Das Gefühl wegen dem ich 22 Kilogramm verloren hatte. Mir fiel es schwer weiter zu essen. Ich war aber auch sehr neugierig warum sie ausgerechnet jetzt die Beziehung beenden wollte. Nadine wollte doch gerade erst mit mir nach Darmstadt zusammen ziehen und ich hatte gefühlt auch gerade erst nach einer Wohnung für uns und unsere Katzen geschaut. Ich habe ihr gesagt, dass ihr Verhalten schon am 3. Oktober sehr auffällig war und sie hat mir bestätigt, dass sie es auch da bereits wusste. Ich fragte sie nach unserem letzten Telefonat. Sie hatte mich ja dabei bereits überzeugt, dann aber: “Ich liebe Dich” zu mir gesagt. Ich fragte sie ob sie mich belogen hatte. Nadine bestätigte mir, dass sie mich mit einer Lüge getäuscht hatte. Ich habe nochmals betont, dass Lügen grundsätzlich nicht OK sind. Es ging mir aber eher ums Prinzip, diese konkrete Lüge war kein Weltuntergang.

Natürlich versuchte sie diese Entscheidung irgendwie zu begründen, aber die Gründe wirkten eher sehr generisch. Sie kennt mich doch schon länger und auch ziemlich gut. Warum haben wir uns denn dann nicht früher getrennt zum Beispiel als ich das wollte? Diese Frage blieb irgendwie unbeantwortet. Zum dritten Oktober sagte sie mir, dass die Fahrt so lang war - ich konnte aber nicht nachvollziehen wie das ein Trennungsgrund sein konnte.

Ich habe Nadine geliebt und wusste auch dass ich sie schrecklich vermissen würde, aber ich war selbst nicht überzeugt, dass unsere Beziehung langfristig Bestand haben würde und es schien mir irgendwie OK diese zu beenden. Ich habe mir bei Diana sehr gewünscht, dass sie es sich nach der Trennung anders überlegen würde und mich sehr angestrengt, dass sie zurückkommen würde. Die Beziehung zu Diana basierte darauf, dass ich sie geliebt habe und dass ich keine Minute ohne sie verbringen wollte. Die Beziehung zu Nadine basierte aber darauf, dass sie mich unbedingt haben wollte. Ich war der passive Part, der sich gegen eine Beziehung nicht explizit genug gewehrt hat. Mit dem Wegfall dieser Grundvoraussetzung gab es keine weitere Grundlage für eine Beziehung bzw. Ich hatte keine Chance erwartet, dass diese so jemals wieder funktionieren könnte. Ich hatte nicht vor jetzt auf einmal um die Beziehung zu kämpfen.

Freunde bleiben

Nadine behauptete, dass sie möchte, dass wir Freunde bleiben und uns auch in Zukunft treffen würden. Für mich war das irgendwie selbstverständlich. Was gab es denn für einen Grund die Freundschaft zu beenden? Auch hätte ich einen ziemlich schlechten Charakter haben müssen um ihr diese Bitte auszuschlagen. Daher habe ich ihr auch gesagt, dass ich möchte, dass wir Freunde bleiben. Eigentlich ist es für mich selbstverständlich, mit jeder meiner Lebensabschnittspartnerinnen nach der Beziehung befreundet zu bleiben, ein Ende einer Freundschaft muss durch massives Fehlverhanten ausgelöst werden. So wie die Lügen von Diana, der ich danach einfach nicht mehr trauen konnte. Ich würde es auch verstehen, wenn meine neue Partnerin etwas dagegen hat wenn ich mich alleine mit meiner ehemaligen Partnerin treffen würde. Ich würde hier also Rücksicht auf andere nehmen, aber einen Kompromiss suchen.

Keksdosenlüge

Keksdosenlüge

Wenn jemand eine Aussage trifft, dann möchte er damit eine Nachricht kommunizieren.
Wenn jemand lügt, dann möchte er den Gesprächspartner täuschen und ihn von Unwahrheit überzeugen.
Es gibt aber auch eine spezielle Form der Lüge, die nur als Lüge interpretiert werden kann. Diese Lüge enttarnt sich quasi selbst sofort. Sie ist eine Lüge, deren Erwähnung, wenn man sie als Wahrheit interpretiert, einfach keinerlei Sinn ergibt.
Ich nenne diese Form der Lüge Keksdosenlüge, da ich dabei immer an ein Bild erinnert werde.
Ich denke bei dieser Form der Lüge an ein etwa sechsjährigs Einzelkind. Es sagt vollkommen aus dem Kontext gerissen so etwas wie: “Ich habe die Keksdose auf dem Kühlschrank nicht leer gemacht.”
Als Empfänger dieser Nachricht denkt sich das Elternteil. Haben wir eine Keksdose auf dem Kühlschrank? Ja, stimmt da war eine Keksdose. Die benutzen wir doch aber nicht wirklich. Die Kekse sind ja noch von Weihnachten. Die müssten ja steinhart geworden sein. Warum spricht mein Kind die Keksdose an? Es sollte gar nicht wissen, dass diese Keksdose existiert. Es ist inzwischen in der Lage am Kühlschrank hoch zu klettern und auf den Kühlschrank zu greifen.
Die wichtige Frage ist aber: Warum hält es mein Kind für relevant diese Aussage jetzt gerade zu treffen. Dadurch, dass die Keksdose nicht Teil der aktuellen Kommunikation gewesen ist offenbart das Kind worüber es aktuell nachdenkt. Das Kind offenbart, dass es von der Keksdose weiss. Zudem weiss das Kind offenbar, dass die Keksdose leer ist. Es gibt im Haushalt niemand anderen, der diese Kekse essen würde. Kurzum diese Aussage ist ziemlich sicher eine Lüge und ziemlich sicher wird das Kind die Keksdose kürzlich vom Kühlschrank geangelt und leer gemacht haben.
Die meisten Eltern werden nach so einer Aussage erstmal zum Kühlschrank gehen, schauen wo die Keksdose ist, ob der Deckel noch richtig sitzt und was sich darin befindet. Es ist also ganz einfach zu Prüfen ob diese Keksdose-Aussage eine Lüge ist.

Kann diese Keksdose-Aussage stimmen?
Ich erwarte, dass eine derartige Aussage in dieser Situation ohne Kontextbezug praktisch immer eine Lüge ist.

Andere Situation:
Wenn ich in einem Haushalt mit fünf Kindern wohne und merke, dass jemand die frischen Lieblingskekse meiner Kinder leer gemacht hat. Dann könnte ich das Thema Keksdose selbst gezielt ansprechen. Wenn ich dann erst meine äußerst ernährungbewusste Partnerin frage, ob sie alle Kekse gegessen hat, dann dürfte die gleiche Aussage wie oben: “Ich habe die Keksdose auf dem Kühlschrank nicht leer gemacht” normalerweise der Wahrheit entsprechen.

Nadines Keksdose
“Ich versichere Dir, dass ich mich nicht wegen einem neuen Freund von Dir trenne.”
Ich habe sofort, das Bild von Sascha vor meinen Augen gehabt. Das Bild wie er in meiner WG in Darmstadt war und mich aus viel zu kurzer Entfernung mit versteinerter Miene anstarrte.
Hätte Nadine von etwas anderem gesprochen haben können? Meine Fantasie war nicht in der Lage eine Alternative zu finden. Nadine eine Frage beantwortet, die ich nicht gestellt hatte. Ich hätte diese Frage nicht einmal ansatzweise unterbewusst stellen können, da ich ganz grundlegend keinen Verdacht hatte. Ich war fest davon ausgegangen, dass sie mich nicht wegen Sascha verlässt und dass ihre Aussage daher auch überflüssig und extrem überraschend ist. Jetzt hatte sie aber das Thema “Sascha F.” zur Trennung auf die Tagesordnung gesetzt. Nadines Verhalten am dritten Oktober war sehr auffällig ungewöhnlich. Seit dem waren ziemlich genau zwei Wochen vergangen bis zur Trennung. Das ist ziemlich exakt genau die Zeit die Diana nach der ersten Nacht mit David bis zur Trennung benötigte. Kurzum Nadine hatte mich mit Ihrer Keksdosenlüge in absoluter Rekordzeit von einer Theorie überzeugt:

  • Nadine ist eine Lügnerin
  • Nadine trennt sich wegen Sascha F. heute von mir
  • Sascha F. hat mit Nadine vor der Trennung bereits abgesprochen, dass beide danach ein Paar sein werden
  • Sascha F. hat das Nadine bereits verbindlich bestätigt

Irgendwie sprach alles dafür aber eventuell war dies auch teilweise ein Vorurteil. Wie es aber bei einem guten Wissenschaftler so ist muss eine gute wissenschaftliche Theorie auch gewisse Vorhersagen treffen können um sich verifizieren oder falsifizieren zu lassen.
Die Vorhersage meiner Theorie war einfach:

  • Nadine und Sascha würden bald Sex haben oder hatten bereits Sex
  • Es ist unmöglich für mich das zu verhindern
  • Sascha wusste vor mir von Nadine von unserer Trennung
  • Sascha ist Sex mit Nadine wichtiger als unsere Freundschaft
  • Sascha ist ein Lügner

Ist Nadine eine Lügnerin?
Es fühlte sich zutiefst verstörend von Nadine belogen zu werden. Wir hatten doch vor ein paar Minuten erst über die “Ich liebe Dich”-Lügen gesprochen. Ich habe doch gerade erst besorchen, dass Lügen nicht akzeptabel sind und eine rote Linie darstellen. Insbesondere würde ich Nadine niemals so belügen.

Diese Keksdosenlüge war ein ziemlich verstörender Start in die neue Art der Freundschaft, die sich vor uns befand. Eigentlich war es eher das Ende, der kürzesten Freundschaft der Welt. Ich glaube wirklich, dass wir hier einen Rekord aufgestellt haben. Vermutlich ist selten so wenig Zeit vergangen zwischen dem ausgesprochenen Bekenntis “Freunde zu bleiben” und dem Ende der Freundschaft durch Missachtung deutlich kommunizierter Grenzen.

Ich wollte Sascha F. sofort zur Rede stellen. Wir waren ja in wenigen Stunden im Courage verabredet. Ich wollte ihm sagen, dass Nadine sich von mir getrennt hat und dass ich glaube, dass er und sein Verhalten der Grund dafür ist.

Aber im Moment sass ich mit Nadine im Amrit unweit von einem Brunnen.
Ich wollte meine neue Theorie überprüfen.
Ich wollte, dass Nadine mit kommt ins Courage. Ich wollte, dass wir dort gemeinsam von unserer Trennung berichten. Außerdem war ich fest davon überzeugt, dass ich an Mimik und Gestik von Sascha und Nadine sofort erkennen würde, dass Sascha von der Trennung bereits wusste und dass die beiden bei der nächsten Gelegenheit Sex haben würden. Saschas Gesichtsausdruck am dritten Oktober war ja ein wichtiger Hauptgrund für die Annahme, dass ich belogen werde. Noch nie habe ich so einen Gesichtsausdruck bei einem anderen Menschen gesehen.

Daher forderte ich Nadine auf mit ins Courage zu kommen. Aber Nadine hat sich mit Händen und Füßen gewehrt. Mir wurde schnell klar, dass sie nicht mitkommen würde. Ich versuchte mir irgendeinen Grund für ihre Antwort auszumalen. Aber meine Fantasie konnte sich keinen Grund ausmalen. Ich fragte sie direkt was sie denn sonst vorhatte. Sie hatte aber nicht besseres vor. Sie antwortete, dass sie wahrscheinlich alleine zu Hause am Computer Solitaire spielen würde und dabei Zigaretten rauchen würde. Dieses Verhalten kannte ich von ihr, das war ihre Art nichts zu tun. Irgendwie wirkte sie traurig gar depressiv. Ich wunderte mich warum sie bei einer Trennung traurig wird wenn sie es doch war, die den Wunsch zur Trennung geäußert hatte. Ich konnte jedenfalls nicht nachvollziehen, dass sie alleine depressiv Solitaire spielen einem geselligen Abend gegenüber bevorzugt. Daher habe ich weiter gebohrt und ein weiteres Indiz zu Tage gefördert. Nadine fing an über Freunde zu sprechen, meine Freunde und ihre Freunde. Sie drückte eine ganz klare Aversion gegen meine Freunde aus und wünschte sich generell unsere Freundeskreise zu trennen. Das war jetzt zwar ein guter Grund für sie nicht mitzukommen, aber ich hatte nicht verstanden warum sie meine Freunde so ablehnte. Auch war mir vollkommen unklar warum ihre Ablehnung meiner Freunde bedeutete, dass sie ihre Freunde von mir trennen wollte. Meine konkreten Nachfragen blieben aber offen.
Nadine wollte also angeblich, dass wir Freunde bleiben, aber ohne unsere Freundeskreise zu involvieren. Mit anderen Worten sie wollte mich immer nur alleine Treffen. Ich fand das extrem ungewöhnlich. Es bedeutet auch immer so eine Art Date-Format (ein Mann und eine Frau). Ich hatte aber auch keine anderen platonischen Freunde, die ich primär im Date-Format treffen würde.

Das hatte ich so heftig nicht erwartet. Für mich und meine “Sascha F.”- Theorie bedeutet dies zum einen, dass mir die Mimiken der beiden verwehrt bleiben und so eine Verifizierung oder Falsifizierung erschwert wird. Auf der anderen Seite war Nadines Ablehnung aber auch ein weiterer knallharter Grund fest an die “Sascha F.”-Theorie zu glauben. Insbesondere das Trennen der Freundeskreise wirkte wie eine Ausrede und ist ein weiterer Grund an die “Sascha F.”-Theorie zu glauben. Auf der anderen Seite war ich aber auch irgendwie erleichtert, dass sie mir nun versichert hatte sich von Sascha F. fernzuhalten. Nur der starke Eindruck belogen zu werden, nagte sehr an mir. Auf der anderen Seite wollte sie offenbar, dass ich auch ihre wenigen Freundinnen nicht nach Sascha F. fragen kann. Das war ein weiterer klarer Nachteil, denn so würde es mir schwer fallen, meine Theorie zu verifizieren oder zu falsifizieren.

Nadine hatte vermutlich absichtlich ein etwas kleines Zeitfenster für die Trennung vorgesehen und so musste ich dann auch bald weiter um mich mit Sascha und Micha im Courage zu treffen. Ich fragte sie weiter ob sie nicht mitkommen wollte, aber konnte sie nicht überreden. Auf dem Weg nach draußen erzählte sie mir etwas vom Schlussmachen per SMS und wie viel besser sie doch war. Ich habe auf dem Weg ins Courage darüber nachgedacht. Natürlich ist es viel besser die wichtigen Entscheidungen im Leben von Angesicht zu Angesicht zu besprechen. Aber falls Nadine mich wirklich nicht wegen Sascha F. verlassen hatte, warum hatte ich dann so ein schlechtes Gefühl nach ihrer Keksdosenlüge? Warum hatte ich keine Antworten auf die entscheidenden Fragen erhalten. Der Nachteil einer SMS blieb mir hier teilweise versteckt.
Immerhin hatte ich ihr Wort, dass sie sich von Sascha fernhalten wird. Aber wie viel ist das Wort meiner Ex-Freundin wert?

Im Courage habe ich dann entgegen der ursprünglichen Planung nicht über die Trennung gesprochen. Wenn Nadine sich wie besprochen von Sascha Fricke fernhalten würde, dann könnte er weder ein Trennungsgrund gewesen sein, noch Sex mit ihr haben. Ich wollte dennoch wissen, ob Sascha irgendetwas weiß oder unterbewusst preisgibt. Aber Sascha zeigte weder verbal, noch erneut in Mimik oder Gestik extreme Auffälligkeiten. So kam es dann doch irgendwie, dass ich Sascha F. nicht sofort zur Rede gestellt habe.
Ich habe ihm aber auch nicht gesagt, dass Nadine sich von mir getrennt hat. Wenn er das gewusst hätte, dann zweifelsfrei von Nadine.
So fuhr ich nach dem Wochenende zurück nach Darmstadt und grübelte ob Nadine jetzt mit Sascha Sex haben würde.