Die Party zum Tag der Deutschen Einheit
Der 3. Oktober 2005 war ein Montag. Daher wurde die Party auf den Sonntag davor verlegt. Der Termin zum langen Wochenende war perfekt, aber leider das Wetter nicht. Es war bewölkt und es regnete immer wieder.
Während Sascha F. mit meiner Freundin Nadine B. durch die Republik fuhr, haben wir eingekauft und die letzten Vorbereitungen für die Party aber auch für meine Gäste, getroffen. Ich glaube, dass ich damals zwei große Töpfe Chili gekocht habe. Einen “con carne” und einen vegetarischen “sin carne”.
Nach zehn Stunden Fahrzeit hätten Sascha und meine Freundin Nadine dann aber gegen 18:00 Uhr in Darmstadt ankommen sollen. Sie kamen aber nicht. Ich habe meine Freundin Nadine angerufen, aber sie ging nicht ans Telefon. Ich habe Sascha angerufen, aber er ging ebenfalls nicht ans Telefon. Es war mir nicht gelungen herauszufinden was Sascha gerade mit meiner Freundin Nadine gemacht hat oder wann beide ankommen würden.
So kamen dann ab 20:00 Uhr andere Gäste und die Party kam langsam in Schwung. Die Musik wurde lauter, das Büffet würde eröffnet und die Korken knallten.
Gegen 22:00 Uhr war Sascha bereits vier Stunden länger mit meiner Freundin Nadine unterwegs als geplant. Ich erhielt einen Anruf von Sascha F., dass sie sich verspäten würden. Irgendwie war der Anruf etwa sechs Stunden zu spät. Ich wusste doch bereits, dass beide zu spät kommen. Ich konnte aber auch auf Rückfrage keine gute Prognose für eine Ankunftszeit in Erfahrung bringen. Mitternacht war wohl ein halbwegs realistischer Zeitpunkt. Ich konnte leider nichts tun um die Motorradtour zu beschleunigen.
Claudia, eine meiner Mitbewohnerinnen brachte weihnachtliche Rentierhaarreifen von denen ich einen trug. Die Nacht wurde länger, die Biervorräte wurden kleiner und die Gäste machten sich nach und nach auf den Heimweg. Wir haben das Sofa aus dem Wohnzimmer in das Zimmer von Thomas gestellt und dort weiter Musik gehört.
Draußen war es schon lange dunkel und es wurde nun auch ein wenig kälter.
Gegen 02:00 also 18 Stunden nach der Abfahrt rief mich dann meine Freundin Nadine an. Sie sagt, dass sie jetzt in Frankfurt ist und dass ich sie dort mit dem Auto abholen soll. Gerne wäre ich ihrem Wunsch nachgekommen, aber das war aus zwei Gründen unmöglich. Erstens hatte ich gar kein Auto und zweitens hatte ich bereits zu viel Alkohol getrunken um selbst zu fahren. Ich konnte mir im Normalfall das Auto eines Mitbewohners ausleihen, aber ich wollte nicht einmal fragen, da ich viel zu viel getrunken hatte und es wäre auch seine Mitverantwortung gewesen wäre. Insgesamt war in der WG niemand mehr fahrtauglich.
Ich fand aber auch den Wunsch sehr merkwürdig, da ich doch mit dem Auto hin und zurück von Darmstadt nach Frankfurt ganz sicher mehr Zeit benötigen würde, als sie mit einer S-Bahn oder mit dem Motorrad.
Es tat mir sehr leid ihr diesen Wunsch nicht zu erfüllen, aber er war einfach in dieser Situation vollkommen unrealistisch.
Ich würde ja von meiner Freundin auch nicht verlangen Nachts um 03:00 betrunken Auto zu fahren.
Da auch ein Taxi auf der Strecke ganz schön teuer wäre ist Nadine wieder mit Saschas geliehenem Motorrad weitergefahren.
Gegen 03:00 sind die beiden dann endlich angekommen. Nach 19 Stunden mit 9 Stunden Verspätung. Ich bin sofort runter um die beiden zu begrüßen und beiden zu helfen. Nadine war ganz durchgefroren, daher habe ich ihr erstmal eine Badewanne mit “heißem” Wasser eingelassen. Beide haben seltsame Dinge erzählt, um zu begründen, warum sie zu spät waren, aber ich habe es nicht verstanden, das war doch eigentlich in den 9 Stunden geplant. Es fiel mir schwer, ihren Aussagen zu glauben. Ich weiß gar nicht mehr wessen Idee das mit der Badewanne war, aber retrospektiv ist es schon komisch, dass Nadine erst einmal dringend Baden musste, bevor ich mehr Zeit mit ihr verbringen kann. So richtig heiß war das Wasser um die Uhrzeit nicht, aber der Boiler hat schnell angefangen, wieder heißes Wasser zu machen. Hätte ich das vorher geahnt, dann hätte ich doch für warmes Wasser sorgen können …
Da weder Sascha F. noch meine Freundin Nadine B. Wechselklamotten für den Folgetag dabei hatten, wollte ich deren Wäsche waschen und gleich im Trockner trocknen. Leider war noch die fertige Wäsche einer meiner Mitbewohnerinnen in der Maschine. Als ich sie bat, diese schnell wieder leer zu machen, habe ich ein wenig die Partystimmung getrübt und mir auch Kritik anhören müssen, aber es ging ja auch nur um zwei Minuten. Das war die erste Gelegenheit, bei der ich den neuen Trockner verwendet habe und vermutlich war es auch die einzige Gelegenheit.
Nadine hat von meiner Mitbewohnerin Claudia einen warmen weißen Schlafanzug bekommen. Sascha F. hat mit dem inzwischen wärmeren Wasser danach noch geduscht.
Das Essen war zwar längst kalt, aber es war noch sehr viel übrig. Ich habe das Chili heiß gemacht und beide haben davon gegessen.
Dann sind wir in das Zimmer von Thomas, haben uns auf das Sofa gesetzt und haben ihm zugehört, wie er Gitarre gespielt und gesungen hat. Nadine hat meinen Rentierhaarreifen bekommen und wir haben noch etwa eine Stunde die letzten Ausläufer der Party genossen. Ich saße auf dem Sofa und Nadine saß direkt vor mir. Ich habe sie umarmt, aber es fühlte sich irgendwie anders an als sonst.
Später haben wir auch überlegt, ob es nicht besser wäre, wenn Nadine mit der Bahn zurück fährt, aber irgendwie haben wir den Gedanken leider verworfen.
Gegen 05:00 wollten Sascha und Nadine auch schlafen gehen, denn einen 19 Stunden Trip zurück nach Hause. sollte man auch rechtzeitig starten.
Also haben wir die Schlafcouch, die Sascha als Bett dienen sollte wieder ins Wohnzimmer geschoben und ihm Bettzeug gegeben.
Nadine ging auf die Toilette und hat einen Monatsvorrat an Toilettenpapier leer gemacht. Zugegeben war unser Verbrauch moderat, aber ihr Verbrauch ging weit über das was ich von ihr kannte. Warum hatte sie so wahnsinnig viel Toilettenpapier verbraucht?
Meine Freundin Nadine B. schlief wie immer bei mir im Bett. Aber sie verhielt sich ganz komisch. Sie lag mit dem Rücken zu mir und behielt den geliehenen Schlafanzug an. Beides war sehr ungewöhnlich. Ich fragte mich ob sie es mir übel nimmt, dass ich sie nicht betrunken aus Frankfurt abgeholt hatte.
Sie war auch sehr verschlossen, es war mir nicht möglich mich wir bisher zu unterhalten.
Es war eine seltsame Situation ich fragte mich was geschehen war, was sie so sehr verändert hatte, aber ich habe nie eine Antwort von Nadine erhalten.
Am nächsten Tag als ich aufgestanden war war Sascha bereits eine Weile fertig.
Sascha F. war ein Frühaufsteher entsprechend verwunderte es mich nicht wirklich.
Ich war etwas unter Stress ich war dabei noch diverse Vorbereitungen für die Rückreise zu treffen. Sascha F. stand mir dabei irgendwie im Weg. Er starrte mich an.. Als mir sein Blick auffiel schaute ich fragend zurück. Es war ein Blick wie ich ihn in diesem Leben nur dieses eine Mal gesehen hatte. Er ging mir durch Mark und Bein, hatte etwas sehr rohes, brutales, aber hatte vor allen Dingen auch eine traurige Note. Ich bekam am ganzen Körper Gänsehaut. Wir standen im Treppenhaus und es war nicht sehr geräumig, daher wären wir auch relativ nah beieinander. Dadurch wurde die Situation um so surrealer und prägnanter.
Da war etwas über das wir dringend reden mussten. War jemand gestorben? Und warum schaute er so als müsste ich auch traurig sein? Was war geschehen, dass er mich so extrem auffällig mit so wenig Abstand anstarrt? Was wusste Sascha Fricke, das er nicht ausspach? Ich werde diesen Moment und diesen Blick wahrscheinlich nie vergessen.
Er reagierte aber nicht nicht normal auf meine Frage, sondern tat so als sei sein Blick etwas normales gewesen.
Ich habe Nadine Frühstück gemacht, sie hat ihre Sachen in Saschas Rucksack gepackt.
Sascha F. und meine Freundin Nadine B. sind dann wieder gemeinsam mit dem Motorrad zurück nach Berlin gefahren.
Ich hatte ein ziemlich schlechtes Gefühl dabei. Vorallen Dingen Nadine hat sehr negative Emotionen verbreitet. Irgendwie ist sie aber dennoch nicht mit der Bahn zurück gefahren.